Stoppt Mobbing

Ca. 800 Schülerinnen und Schüler unterschreiben Antimobbing-Vereinbarung nach Carsten Stahl Vortrag - Wehret den Anfängen, bevor  Jugendliche oder junge Erwachsene zu Opfern oder zu Tätern werden

Die Elternbeiräte der Realschule (Frau Engelland und Frau Gern) und der Gemeinschaftsschule Althengstett hatten deshalb am 23. u. 24.10.19 mit Carsten Stahl einen ausgewiesenen Fachmann für das Thema "Mobbing" eingeladen. Carsten Stahl hat in den letzten 6 Jahren vor über 50.000 Schülern gesprochen. Er kennt Zahlen und Geschichten, die sonst in dieser Form normalerweise nicht veröffentlicht werden. So versucht laut Stahl in Deutschland jeden zweiten Tag ein Kind sich das Leben zu nehmen, weil es gemobbt wird, 90% der Kinder ab der 3. Klasse waren schon mal von Mobbing betroffen oder haben selbst schon einmal gemobbt. 10-15% der Schüler an den Oberschulen hatten schon mal Suizidgedanken. Carsten Stahl weiß, wovon er redet: Als Kind selbst Mobbingopfer, wurde er später ausgebildeter Kampfsportler und landete in der Berliner Unterwelt. Jahrelang war er Anführer einer Gang, offiziell arbeitete er als Fitnesstrainer. Erst viel später schaffte er den Ausstieg aus diesem Milieu.
Sein Leben veränderten seine Kinder. „Ich habe den wichtigsten Titel, den ein Mann haben kann“, sagt er stolz. Nämlich den Titel „Papa“. Er erzählt von seinen Kindern. Kurz nach der Einschulung seines Sohnes veränderte dieser sich massiv und er fand heraus, dass er gemobbt wurde. Das war schließlich der Anlass für ihn, gegen Mobbing zu kämpfen. Und dafür braucht man kein Diplom, dafür brauche man Erfahrung, so Stahl.
Heute ist er ein unerbittlicher Kämpfer, er bezeichnet sich als Aktivist. Wer behauptet, dass es an seiner Schule kein Mobbing gibt, der lügt, sagt er.  
Die Reaktionen der Kinder und Jugendlichen auf seine sehr persönliche Mobbing-Geschichte machten klar, dass das ein großes Thema ist, auch in Althengstett. Denn wo Mobbing anfängt, das war den Schülern nicht klar. Kleine Beleidigungen, Schimpfwörter (davon wurden in der Veranstaltung reichlich gesammelt, die Erwachsenen waren sprachlos), vor allem aber auch das Wegsehen, das sich nicht anvertrauen können, aus Angst, Scham und Verurteilung. Viele Schüler-/innen waren sichtlich betroffen, ihnen war nicht klar, was Worte anrichten können. Auf die Frage, ob sie verhindern möchten, dass ihren Kindern später dasselbe passiert, heben sie fast einstimmig die Hände.
Stahl hat nur ein Ziel, Mobbing und Gewalt an Schulen zu bekämpfen. Einige Kinder – und Erwachsene – mussten einige Male schwer schlucken bei seinen Ausführungen. Seine Kernaussagen waren deutlich und lassen sich nicht beschönigen: „Mobbing tötet Menschen. Als Opfer nicht darüber reden, macht alles nur noch schlimmer. Wegschauen macht mitschuldig“.
Vertraut euch den Lehrern, Eltern, Sozialarbeitern an.“ Es gibt deutliche Anzeichen für Mobbing oder missbrauchte Kinder. Eine Verschlechterung der Noten und plötzliche Zurückgezogenheit sind oft solche Hinweise. Leider sind seiner Meinung  nach die Lehrer an unseren Schulen in Deutschland nicht ausreichend ausgebildet, um mit solchen Situationen umzugehen. Manche schauen weg, um sich selbst zu schützen.
Zudem ist Mobbing ein Thema, über das niemand richtig sprechen möchte. Auch die Politik verschließt die Augen zu dem Thema. Und doch sind viele davon betroffen. In der Schule, am Arbeitsplatz, in Vereinen, selbst in den Familien. Auf das Thema Cybermobbing geht er nicht näher ein, er bezeichnet es nur als 24/7, d, h. es findet an 7 Tagen die Woche 24 h statt. Dieses Thema würde diesen Rahmen sprengen, sagt er.
Die Kinder des Schulzentrums in Althengstett haben jedenfalls fast ausnahmslos gestreckt als er fragte, ob sie Mobbing an ihren Schulen stoppen möchten. Und es gab kein Halten bei den Unterschriften aller Schüler auf dem Plakat, das als Vereinbarung gegen Mobbing am Schulzentrum gilt. Ca. 800 Schüler unterschrieben den Slogan "Stoppt Mobbing". Nach der Veranstaltung mit den Kindern fand auch jeweils noch ein Gespräch mit den anwesenden Lehrern statt.
Der Veranstalter, die Elternvertreter der Real- und Gemeinschaftsschule sind überzeugt, in Althengstett ein Signal gegen Mobbing gesetzt zu haben.
„Wir hoffen sehr, dass die Schule und die Schüler jetzt da weitermachen, wo Carsten Stahl aufgehört hat“, sagen die Elternbeiratsvorsitzenden beider Schulen.
Zur Mitfinanzierung des Projektes hatten die Elternbeiräte die Mitglieder des Gewerbevereins Althengstett höflich um ein paar Spenden gebeten, hier hatten sie allerdings keinen Erfolg. Umso mehr haben sie sich gefreut, dass die Schulleitungen geholfen haben, das Projekt auf die Beine zu stellen.

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