Realschule trifft KUNST

Lars Zech und Daniel Mijic im Gespräch mit Schülern der Realschule Althengstett

Wenn sich ehemalige Schüler nach 30 Jahren abends wieder in „ihrer“ alten Realschule begegnen, handelt es sich meist um ein Klassentreffen. Nicht so am Donnerstag, den 14. Dezember, als sich Daniel Mijic und Lars Zech gegenüberstehen. Realschule trifft KUNST, so der Titel der Veranstaltung, zu der sich über 100 Besucher im Foyer zusammenfanden.
Bürgermeister Dr. Götz warf in seinem Grußwort die Frage auf: „Können wir uns Kunst überhaupt leisten? Ist Kunst mehr als die Kirsche auf der Torte?“ An den Beispielen von Einstein als Geiger und Steve Jobs als Kalligraph erläuterte er die Bedeutsamkeit der Kunst für unser Leben: „Kunst ist etwas, womit man es zu etwas bringen kann.“

Lars Zech ist im Althengstetter Schulzentrum kein Unbekannter. Seit 2009 ist er im gemeinsamen Eingangsbereich mit einer weißen, fächerartigen Holzskulptur für alle sichtbar. Eine zweite gefächerte Skulptur aus der Serie „Moving Portraits“ hat er im Frühsommer als Leihgabe sägefrisch in der Schule aufgestellt. So konnten die Schüler den Prozess der „Entfaltung“, der durch die fortschreitende Trocknung des Holzes bedingt ist, begleiten. Die Fragen und Einschätzungen zum Kunstwerk trugen die Schüler der Klasse 8d vor. Die Skulptur erinnere an eine „Kobra“ oder einen „Schmetterling“, an ein „Radieschen“ oder, wie eine Schülerin selbstreflexiv bemerkte, an einen „Kartoffelgratin, weil sie gerade Hunger“ habe. Dem Künstler wurde von den Schülern bescheinigt, dass er dem „Holz neues Leben“ gebe.  „Das kann nicht jeder“, so die einhellige Meinung. Warum er das Kunstwerk nachträglich schwarz einfärbte, erklärte Lars Zech damit, dass er sich dadurch auf die Form reduzieren wolle. Deutlich wurde, dass die Veränderung der Skulptur die Phantasie der Schüler entfachte. Angesprochen auf die vielfältigen Deutungen betonte Lars Zech, dass er sich über das Nachdenken freue und sich eine Parallele wünsche zwischen den vielfältigen Entfaltungsmöglichkeiten des Kunstwerkes und denen der Schüler.

Der Bildhauer Daniel Mijic ist den Besuchern durch die Gestaltung des im September 2016 in Althengstett aufgestellten Gedenksteins für Marian Tomczak und Hedwig Zipperer bekannt. Die bewegende Geschichte des Paares, die mit der Hinrichtung des polnischen Zwangsarbeiters Tomczak durch die Gestapo und die Deportation von Hedwig Zipperer ins KZ Ravensbrück endete, riefen die Schüler der Klasse 10a den Anwesenden an diesem Abend in Erinnerung. In der anschließenden Befragung des Künstlers zeigten die Schüler ihr Interesse und Engagement und die Zuhörer erhielten Aufschluss über die Symbolik des Mahnmals und den beruflichen Werdegang von Daniel Mijic, der an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart Kunst lehrt. Seine künstlerische Arbeit ist sehr vielfältig, er selbst sieht sich als Bildhauer.

Den passenden Rahmen bildeten ein Lehrerensemble mit einer Passage aus Phil Glass’ „Einstein on the beach“, dessen abgeänderter Text Begriffe der Gedenksteinenthüllung aufnahm, sowie mehrere Musikstücke, die von den Bläserklassen fünf und sechs unter Leitung von Dietmar Peter und Martin Joos vorgetragen wurden. Beeindruckt waren die Besucher über die Leistungen der jungen Musiker, lernen diese doch erst seit 3 Monaten bzw. 15 Monaten ihre Instrumente. „Vielleicht wachsen hier ja schon die Künstler von morgen heran“, so die sichtlich beeindruckte Schulleiterin Christa Wurster-Zischler. Kunstlehrer Joachim Kempf, Mitinitiator der Veranstaltung, bedankte sich bei den Künstlern für ihre Bereitschaft, KUNST in und mit der Schule zu präsentieren und für ihr Interesse an den Jugendlichen. Selten ist Kunst, selten sind Kunstschaffende für die Schule so erlebbar und so real wie an diesem Abend. Realschule trifft KUNST eine gelungene Veranstaltung die hoffentlich fortgesetzt wird.

Ich stimme zu

Unsere Internetseite verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service und eine bessere Benutzerfreundlichkeit zu gewährleisten. Wenn sie auf der Website weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Weitere Informationen zu Cookies und Einstellungen finden Sie hier.